• juliagerschuetz

#1 - Wie lange sollte ein guter Podcast sein?


Diese Frage wird uns fast wöchentlich gestellt. Warum eigentlich? Warum scheinen alle Menschen, die sich mit Podcast beschäftigen, geradezu besessen von der Frage nach der optimalen Länge zu sein? Dabei ist doch gerade das eine der wunderbaren Eigenschaften eines Podcasts, dass er eben genau so lang sein kann wie er sein soll.

Vermutlich ist die perfekte Länge eines Podcasts für viele Menschen deshalb so relevant, weil sie eines der wenigen zweifelsfrei messbaren Kriterien ist. Viele andere Kriterien für den Erfolg eines Podcasts sind, ähnlich wie bei anderen Inhaltsformen, eher geisteswissenschaftlicher Natur und damit schwer messbar: Spannungsbögen, Charaktere, Zwischenspiele, inhaltliche Ebenen, Perspektivwechsel, Humor, etc..

Wie lange ist der perfekte Film? Wie viele Seiten hat idealerweise ein Buch? Nach wie vielen Stunden oder Minuten sollte eine Symphonie beendet sein? Messbarkeit zieht uns Menschen an: Messbarkeit suggeriert uns Kontrolle, Beherrschbarkeit, Klarheit, Objektivität. In 2019 hat mal irgend jemand ausgerechnet, dass die durchschnittliche Länge eines Podcasts in Deutschland 23 Minuten ist. Die genaue Berechnungsgrundlage ist uns nicht geläufig, aber sie ist auch nicht relevant: Es ist ein großer Trugschluss zu glauben, dass man per se alles richtig macht, wenn man sich bei der Länge diesem Mittelwert möglichst perfekt annähert. Denn das Gegenteil ist der Fall: Es ist eben Teil der Kunst des Podcastens, oder sagen wir des Storytellings, eine Geschichte genau so zu erzählen dass sie eben nicht zu kurz und vor allem nicht zu lang ist. Die beste Regel für die perfekte Länge eines Podcasts lautet unserer tiefen Überzeugung nach, auch wenn das keine besonders faszinierende neue Erkenntnis ist: so kurz wie möglich, so lang wie nötig. Das ist für viele unserer Kunden eine unbefriedigende Antwort. Die beste Maßgabe ist: mit Podcasts ist es wie mit Gesprächen. Wenn sie danach auf die Uhr schauen und merken, dass viel Zeit vergangen ist, dann ist alles gut. Umgekehrt ist’s schlecht.