Wir sprechen regelmäßig darüber, wie wichtig Reichweite, Distribution und inzwischen auch Video für Podcasts geworden sind.

Aber ein Thema kommt dabei oft zu kurz: Die Menschen, die wir noch gar nicht erreichen. Der Audio-Researcher Tom Webster hat sich genau diese Gruppe genauer angeschaut. Seine Analyse basiert auf einer großen Studie mit über 5.000 US-Amerikaner:innen und stellt eine simple, aber entscheidende Frage: Wer hat noch nie einen Podcast gehört – und warum?

Die Antwort ist überraschend klar und für die Podcast-Branche extrem relevant.

 

Insight 1: Es ist kein Technikproblem, sondern ein Verständnisproblem

88 % der Menschen kennen den Begriff „Podcast“. Und trotzdem hat ein Viertel noch nie einen gehört.

Warum?

  • Sie wissen nicht, welchen Mehrwert Podcasts bieten
  • Sie denken, Podcasts kosten Geld
  • Sie wissen nicht, wie oder wo sie starten sollen

Das ist kein Reichweitenproblem, sondern ein Kommunikationsproblem.

Für uns heißt das: Wir müssen aufhören, Podcasts als Format zu erklären und anfangen, sie als Lösung zu positionieren. Nicht: „Hör dir meinen Podcast an.“
Sondern: „Hier ist etwas, das dir deinen Alltag erleichtert / dich unterhält / dir hilft.“

 

Insight 2: Diese Zielgruppe ist längst medial aktiv

Ein häufiger Denkfehler: Wer keine Podcasts hört, konsumiert weniger Medien. Stimmt nicht.

Diese Menschen:

  • hören Radio
  • nutzen Streaming-Dienste
  • schauen YouTube
  • sind aktiv auf Facebook
  • Sie sind also absolut erreichbar – nur nicht über die klassischen Podcast-Wege.

Besonders spannend:

  • Über die Hälfte nutzt YouTube
  • Facebook ist der mit Abstand wichtigste Social-Kanal

Das bedeutet konkret:

  • YouTube ist ein unterschätzter Einstiegspunkt für Podcasts
  • Klassische Audio-Distribution allein reicht nicht mehr
  • Off-Platform-Denken wird entscheidend

 

Insight 3: Podcasts werden nicht aktiv gesucht – sie müssen „passieren“

Der wichtigste Discovery-Kanal für Podcasts ist weiterhin: Word of Mouth. Das Problem: In vielen Zielgruppen gibt es dieses „Word“ schlicht nicht. Wenn im Umfeld niemand Podcasts hört, entsteht auch kein Zugang. Deshalb reicht organisches Wachstum allein nicht.

Was stattdessen nötig ist:

  • gezielte Distribution außerhalb der Bubble
  • klare, einfache Einstiegspunkte
  • Inhalte, die sofort verständlich sind

Insight 4: Nutzen schlägt alles

Einer der spannendsten Punkte aus der Analyse: Menschen interessieren sich nicht für Podcasts wegen:

  • Technik
  • Hosts
  • Promis

Sondern wegen ganz einfacher Dinge:

  • etwas beim Autofahren hören
  • Unterhaltung nebenbei
  • neue Themen entdecken

Kurz gesagt: Podcasts sind ein Nebenbei-Medium und genau das ist ihre Stärke.

 

Was wir konkret daraus lernen können

  1. Lead mit Inhalt, nicht mit Format
    Niemand interessiert sich für „einen Podcast“.
    Menschen interessieren sich für Themen, Geschichten und Mehrwert.
  2. Denke über Plattformen hinaus
    YouTube, Social Media, sogar Radio sind keine Konkurrenz, sondern Einstiegspunkte.
  3. Mach den Zugang so einfach wie möglich
    Keine Hürden, keine komplizierten Erklärungen.
    Ein Klick, ein klarer Nutzen, ein guter Einstieg.
  4. Verlass deine Bubble
    Wenn du nur für Menschen produzierst, die schon Podcasts hören, wirst du diese 25 % nie erreichen.

Fazit

Diese „letzten 25 %“ sind keine verlorene Zielgruppe. Sie wurden nur bisher nicht richtig abgeholt. Es fehlt nicht an Interesse, sondern an der richtigen Einladung. Und genau darin liegt eine der größten Chancen für Podcasts in den nächsten Jahren.

Der komplette Bericht mit allen Insights steht hier bei „Sounds profitable“ zum direkten Download bereit: https://shorturl.at/theAG