Sind Podcasts unsichtbar geworden?

Podcasts are dead — it’s all about video now.“ So zugespitzt formuliert es James Marriott in der Times – und trifft damit einen Nerv in der Branche. Denn die Aussage ist weniger Todesanzeige als Weckruf.

Was Marriott eigentlich sagt:
Nicht Audio stirbt. Unsichtbarkeit ist gefährlich.

Der stille Machtwechsel

Podcasts waren lange das intimste Medium: Stimme im Ohr, Nähe, Zeit. Doch genau diese Qualitäten haben sich viele Video-Creator inzwischen geschnappt – und auf Plattformen gebracht, die besser entdecken, teilen und skalieren.

YouTube, TikTok, Reels:
Hier entstehen heute die Themen, über die gesprochen wird. Gesichter, Reaktionen, Clips, Meme-Momente. Video ist das Schaufenster, Audio oft nur noch der Innenraum.

Und genau da hakt Marriott ein:
Viele Podcasts liefern weiter gute Inhalte – aber niemand bekommt sie mit. Audio ist nicht das Problem. Stillstand ist es. Marriott kritisiert nicht Podcasts an sich, sondern deren Komfortzone:

  • zu lang,
  • zu wenig Dramaturgie,
  • kaum visuelle Anker,
  • keine klaren Einstiegspunkte für neue Hörer.

Video zwingt zur Entscheidung:

  • Worum geht’s hier?
  • Warum sollte ich dranbleiben?
  • Wer spricht da eigentlich?

Diese Klarheit fehlt vielen reinen Audio-Formaten, nicht aus Unfähigkeit, sondern aus Gewohnheit.

Die unbequeme Wahrheit:
Audio allein reicht nicht mehr, um entdeckt zu werden.
Aber Audio bleibt extrem stark, wenn es richtig eingebettet ist.

Die neue Realität sieht so aus:

  • Video ist Discovery
  • Audio ist Bindung
  • Clips sind Einladung
  • der Podcast ist Beziehung

Wer heute Reichweite will, muss sichtbar sein.
Wer bleiben will, braucht Tiefe.
Wer beides will, muss beides denken.

Podcasts müssen sich nicht rechtfertigen. Aber sie müssen sich weiterentwickeln, denn sie sind nicht mehr automatisch relevant – schreibt die Times (hinter der Bezahlschranke) hier: https://is.gd/0psUGZ