Die Welt wird lauter, schneller, aggressiver. Und ausgerechnet deshalb gewinnt eine Fähigkeit wieder an Kraft, die lange unterschätzt wurde: richtig zuhören.
Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen zeigt in seinem taz-Essay Ende Dezember, warum Zuhören kein weiches Ideal ist, sondern ein harter Faktor für Vertrauen, Verständigung – und am Ende auch für gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Ein zentrales Beispiel: Kevin Briggs, der legendäre „Guardian Angel“ der Golden Gate Bridge. Über 200 Menschen hat der Polizist davon abgehalten, in den Tod zu springen. Nicht mit Argumenten, nicht mit Moralpredigten – sondern mit Zuhören. Mit Fragen, die Kontrolle zurückgeben. Mit Stille. Mit echter Aufmerksamkeit.
Pörksen unterscheidet zwei Arten des Zuhörens:
- das Ich-Ohr: Wir hören, um zu prüfen, ob das Gesagte zu unserem Weltbild passt.
- das Du-Ohr: Wir hören, um zu verstehen, in welcher Welt das Gesagte für den anderen Sinn ergibt.
Erst dieses Du-Ohr schafft Verbindung. Und genau hier wird es spannend für Podcasts.
Was das für Podcasts bedeutet
Podcasts sind eines der wenigen Medienformate, die genau dieses Du-Ohr systematisch ermöglichen:
- Zeit statt Tempo: 30, 45 oder 60 Minuten Aufmerksamkeit sind die Grundlage für Vertrauen.
- Nähe statt Pose: Hosts werden gehört, nicht übertönt.
- Verstehen statt Bewerten: Gute Podcasts öffnen Räume, statt Fronten zu bauen.
Pörksen zeigt außerdem, wie Skandale, Desinformation und institutionelles Versagen fast immer mit einem Muster beginnen: Niemand hört hin. Erst wenn Betroffene, Journalisten und mutige Zuhörer zusammenkommen, kippt Wahrnehmung. Podcasts können genau dieser Ort sein, an dem solche Kipppunkte vorbereitet werden.
Was Du daraus mitnehmen kannst:
- Gute Podcasts überzeugen nicht durch Lautstärke, sondern durch Resonanz.
- Zuhören ist kein passiver Akt, sondern aktive Gestaltung von Beziehung.
- Wer heute Reichweite will, sollte morgen zuerst Vertrauen bauen.
In einer Welt voller Meinungen werden die Formate gewinnen, die wieder zuhören können.
Der vollständige Artikel ist in der taz zu finden: https://is.gd/WP34AG





