Klar, nichts ersetzt den Live-Moment. Das Spiel, die Spannung, dieses „alle schauen gerade gebannt das Spiel und fiebern mit“. Aber wenn man ehrlich ist: Für viele Fans hört es genau da nicht auf. Eigentlich geht’s danach erst richtig los. Was bedeutet das Spiel? War die Entscheidung richtig? Was passiert als Nächstes?
Und genau für diesen zweiten Moment sind Podcasts gemacht.
Während TV und Social Media eher schnell und laut sind, nehmen sich Podcasts Zeit. Hier geht’s nicht nur um das Ergebnis, denn das kennt man in der Regel schon. Viel mehr geht es um Einordnung, Emotionen und die Geschichten dahinter.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Flexibilität: Im Gegensatz zu herkömmlichen Fernsehprogrammen sind Podcasts:
- auf Abruf verfügbar
- leicht segmentierbar (täglich, wöchentlich, erzählerisch, reaktiv)
- plattformübergreifend skalierbar
- spezialisiert (nicht wie im Fernsehen, sondern zielgruppenspezifisch)
Dadurch können Rechteinhaber und Sender redaktionell und schnell auf verschiedene Zielgruppen reagieren, ohne den Produktionsaufwand des Fernsehens zu haben. Podcasts konkurrieren aber nicht mit Live-Übertragungen, sondern ergänzen diese zunehmend. Der Sport-Audio-Bericht von Edison Research verdeutlicht, wie tief diese Verbindung reicht: 76 % der Hörer von Sport-Podcasts bleiben ihren Sportlern treu, selbst wenn diese zu einem neuen Team wechseln. Podcasts bieten eine Möglichkeit, die Reichweite über die des Live-Sportevents hinaus zu erweitern. Sie vertiefen das Verständnis, steigern die Vorfreude und die emotionale Beteiligung, was sich letztendlich positiv auf die Zuschauerzahlen auswirkt.
Und vor allem: Man entscheidet sich bewusst dafür. Podcast hören passiert nicht nebenbei im Scrollen, sondern in Momenten, in denen man wirklich zuhört, beim Sport, auf dem Weg zur Arbeit oder einfach zwischendurch. Das sorgt für eine ganz andere Verbindung. Man hat das Gefühl, die Hosts zu kennen, man hört nicht nur zu, man bleibt dran. Genau deshalb werden Podcasts für Medien und Marken immer spannender. Sie verlängern das Erlebnis über das Spiel hinaus und halten die Aufmerksamkeit aufrecht.
Auch kommerziell ist das nicht zu unterschätzen: Werbung im Podcast fühlt sich oft weniger wie Werbung an und mehr wie eine Empfehlung, weil sie von Menschen kommt, denen man eh schon zuhört. Podcasts stärken nicht nur die Teamloyalität, sondern vermenschlichen auch Sportler, Geschichten und Persönlichkeiten auf eine Weise, die andere Medien nur schwer nachahmen können.
Netflix hat das erkannt. Obwohl sie nicht ausschließlich sportbezogene Inhalte anbieten, haben sie in der Vergangenheit bereits Begleitprogramme zu wichtigen Serien wie „The Crown“ und „Drive to Survive“ veröffentlicht, um die Zuschauerbindung zu stärken und die Fans auch über die eigentlichen Sendungen hinaus zu erreichen.
Als Unternehmen sehen sie Podcasting ganz klar als zentralen Bestandteil ihrer Strategie für 2026 und haben, angetrieben durch den steigenden Podcast-Konsum über Smart-TVs (CTV), massiv investiert, um exklusive Top-Serien auf ihren Streaming-Dienst zu bringen. Der kürzlich (im Oktober 2025) unterzeichnete Vertrag mit Spotify wird ab 2026 mehrere hochkarätige Videoproduktionen von Spotify über die Netflix-Streaming-Plattformen verfügbar machen.
Am Ende zeigt sich ziemlich klar: Sport ist längst mehr als 90 Minuten. Und Podcasts sind der Ort, an dem genau dieser Rest passiert.
Dieser Beitrag wurde inspiriert von Jim Salveson, Director of Sport, Sport Social Podcast Network





