Was ist ein Creator und dessen Reichweite wert, wenn im echten Leben niemand auftaucht? Diese Frage wird im Creator Marketing gerade interessanter. Denn während Social-Media-Plattformen immer stärker auf Reichweite, Algorithmus und kurze Clips setzen, entdecken Creator eine alte, aber offenbar ziemlich wirksame Idee neu: Menschen zusammenbringen – und zwar im echten Leben. Maya Raichoora gehört zu den Creator:innen, die diesen Weg bereits gehen.

Vom Instagram-Feed in die echte Community

Raichoora wurde mit kurzen Videos bekannt, in denen sie Visualisierungstechniken vermittelt. Ihr Instagram-Account wuchs auf mehr als 600.000 Follower, 2024 machte Nike sie zur ersten Mental-Fitness-Trainerin der Marke. Doch für den nächsten Schritt ihrer Karriere setzt sie nicht allein auf weitere Videos. Sie veranstaltet inzwischen jeden Monat ein eigenes Event für ihre Community. Und das ist bewusst mehr als ein weiterer Marketingkanal: Raichoora versucht, ihre Follower von Instagram in eine echte Community zu überführen. Denn ein Social-Media-Post kann Reichweite erzeugen. Ein persönliches Treffen kann dagegen Beziehungen schaffen, die deutlich länger halten.

Das Ende des „Feed-only“-Creator-Modells?

James Kirkham, Gründer der Markenberatung Iconic, beschreibt Social Media inzwischen als eine Art „Post-Feed“-Welt: Plattformen seien schon lange weniger sozial und vielmehr zu Broadcast-Medien geworden. Der Feed kann Menschen erreichen. Aber er hält sie nicht unbedingt. Ein echtes Event funktioniert anders: Menschen entscheiden sich bewusst dafür, irgendwohin zu gehen, Zeit zu investieren und andere Fans zu treffen. Aus passivem Konsum wird aktive Teilnahme. Und genau deshalb sind Events für Creator zunehmend interessant.

Von Reichweite zu echter Wirkung

Für Marken steckt darin ein weiterer Vorteil: Ein Event lässt sich unmittelbar messen.

  • Wie viele Menschen sind gekommen?
  • Wie viele haben etwas gekauft?
  • Wie viele haben sich angemeldet?
  • Wie viele haben über die Marke gesprochen?

Das ist eine andere Art von Messbarkeit als reine Video-Views. Große Creator machen es bereits vor. Dude Perfect veranstaltet seit Jahren Stadiontouren und erreichte 2025 mehr als 200.000 Besucher:innen in den USA. Alex Cooper verband ihre Unwell Tour mit einem Sponsoring von White Claw. Auch kleinere Creator entdecken Events als Möglichkeit, eine besonders loyale Kern-Community zu aktivieren.

Damit entsteht eine interessante Unterscheidung: Audience ≠ Community.

Ein Creator kann hunderttausende Menschen erreichen und trotzdem nur eine kleine Zahl davon wirklich mobilisieren. Für Marken kann genau diese kleinere Gruppe aber besonders wertvoll sein.

Die Community wird zur neuen Kennzahl

Maya Raichoora bringt es auf den Punkt: Wenn eine Marke Menschen dazu bewegen möchte, etwas anzuklicken, irgendwo persönlich aufzutauchen oder einem Freund davon zu erzählen, sollte sie dort ansetzen, wo echte Community entsteht. Und dafür reicht die Followerzahl allein nicht. MKTG Sports + Entertainment liefert dazu passende Zahlen: 45 % der Sportfans sagen, dass sie angesichts der zunehmenden digitalen und KI-generierten Inhalte mehr physische beziehungsweise Offline-Erlebnisse suchen. 62 % glauben, dass Community im Sport nur durch reale Erlebnisse aufgebaut werden kann. Das deutet auf einen möglichen Gegentrend hin: Je digitaler unsere Medienwelt wird, desto wertvoller können analoge Erlebnisse werden.

Was bedeutet das für Marken?

Creator Marketing könnte sich damit von einem klassischen Reichweitenkauf weiterentwickeln. Nicht mehr nur: „Wie viele Menschen sehen unsere Botschaft?“ Sondern zunehmend: „Wie viele Menschen lassen sich tatsächlich aktivieren?“

Ein Creator, der eine Community offline zusammenbringen kann, bietet Marken etwas, das ein einzelner Clip nicht leisten kann: eine nachweisbare Verbindung zwischen Aufmerksamkeit, Teilnahme und Erlebnis. Und genau deshalb könnte die wichtigste Creator-Kennzahl der Zukunft nicht die Zahl unter dem Instagram-Profil sein. Sondern die Zahl der Menschen, die bereit sind, wirklich aufzustehen und zu kommen.