Wie entwickelt sich der Podcast-Markt, wenn die Reichweite kaum noch wächst? Genau dieser Frage widmet sich „The Podcast Landscape 2026“ von Sounds Profitable. Für die diesjährige Studie wurden 5.473 US-Erwachsene im August 2026 befragt.

Die wichtigste Erkenntnis: Die großen Reichweitenzahlen verändern sich kaum, das Verhalten dahinter schon.

Die Reichweite stagniert – vorerst

74 % der US-Amerikaner:innen haben schon einmal einen Podcast konsumiert. 55 % haben im vergangenen Monat einen Podcast gehört, 39 % in der vergangenen Woche. Damit liegen die Werte praktisch auf dem Niveau von 2025. Das klingt zunächst nach Stillstand. Gleichzeitig zeigt die Studie aber, dass sich Podcasting innerhalb dieser stabilen Nutzerbasis weiter verändert.

Denn die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur: Wie viele Menschen hören Podcasts? Sondern: Über welche Plattform, auf welchem Gerät, in welchem Format und mit wem?

Netflix steigt direkt auf Platz drei ein

Eine der auffälligsten Veränderungen betrifft die Plattformen. Netflix ist in seinem ersten Jahr mit Podcasts bereits zur dritthäufigsten genannten Podcast-Plattform in den USA geworden, hinter YouTube und Spotify und noch vor Apple Podcasts. Parallel dazu verliert die klassische Podcast-App etwas an Bedeutung: Nur noch 15 % der Podcast-Konsument:innen nennen eine Podcast-native App als ihre meistgenutzte Plattform. 2025 waren es noch 19 %. Podcasting wird damit zunehmend Teil größerer Entertainment-Plattformen. Für Produzent:innen bedeutet das: Die Frage nach der richtigen Distribution wird immer wichtiger und „Podcast-Plattform“ meint längst nicht mehr automatisch eine klassische Podcast-App.

Video wird vom Zusatz zum Normalfall

Auch die Entwicklung von Video setzt sich fort. 44 % der Podcast-Konsument:innen haben in der vergangenen Woche einen Video-Podcast gesehen. Im Vorjahr waren es 40 %. Noch deutlicher wird der Wandel bei den Erwartungen: Nur 17 % der US-Amerikaner:innen erwarten noch, dass ein Podcast ausschließlich Audio ist. Video ist damit nicht mehr nur ein Bonus für besonders große Shows. Für immer mehr Hörer:innen gehört es ganz selbstverständlich zum Podcast-Erlebnis dazu.

Ein Drittel ist noch relativ neu dabei

Gleichzeitig ist der Markt keineswegs ausschließlich von langjährigen Podcast-Fans geprägt: Ein Drittel der Konsument:innen hat erst innerhalb des vergangenen Jahres mit Podcasts begonnen. Das ist interessant, weil die Gesamt-Reichweite kaum wächst. Neue Nutzer:innen kommen also weiterhin hinzu, gleichzeitig verändern sich offenbar Nutzungshäufigkeit und Plattformen innerhalb der bestehenden Hörerschaft.

Podcasts werden zur gemeinsamen Mediennutzung

Noch ein Trend fällt auf: Podcasts werden zunehmend gemeinsam konsumiert. 40 % der Konsument:innen hören zumindest gelegentlich zusammen mit anderen Menschen. Das passt zu einer Entwicklung, bei der Podcasts immer stärker über Video, Smart-TVs und Entertainment-Plattformen in Situationen gelangen, die traditionell eher gemeinsames Medienkonsumieren geprägt haben. Der Podcast ist damit nicht mehr ausschließlich das Medium für den Kopfhörer auf dem Weg zur Arbeit oder beim Sport.

Was bleibt?

Die Zahlen zeigen ein interessantes Paradox: Die Podcast-Reichweite ist stabil, aber das Podcast-Erlebnis ist es nicht. YouTube und Netflix verändern die Distribution, Video verändert die Erwartung an das Format und neue Nutzungssituationen bringen Podcasts näher an gemeinsames Entertainment. Und genau deshalb lohnt es sich, nicht nur auf Reichweitenzahlen zu schauen. Die nächste Wachstumsphase des Mediums könnte weniger darin bestehen, mehr Menschen zu Podcasts zu bringen, sondern darin, mehr Möglichkeiten zu schaffen, wie Menschen Podcasts konsumieren.

„The Podcast Landscape 2026“ wird in mehreren Teilen veröffentlicht. Weitere Ausgaben beschäftigen sich unter anderem mit Discovery, Werbung, Content und KI.