25 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren hören mindestens einmal pro Woche Podcasts. Das sind knapp 18 Millionen Menschen. In den vergangenen Jahren ging es kontinuierlich nach oben: von 20 Prozent im Jahr 2023 auf 25 Prozent im vergangenen Jahr. 2026 bleibt dieser Wert erstmals stehen.
Der Online-Audio-Monitor 2026 kommt mit einer anderen Abfrage zum gleichen Ergebnis (siehe letzte Newsletterausgabe). Danach hören 29 Prozent mindestens einmal im Monat Podcasts. Auch dieser Wert hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht verändert.
Die Prozentzahlen sind nicht direkt vergleichbar: Die ARD/ZDF-Medienstudie fragt nach der wöchentlichen, der OAM nach der monatlichen Nutzung. In einem Punkt stimmen beide überein: Die Podcast-Reichweite wächst derzeit nicht weiter.
Das ist kein Einbruch. Knapp 18 Millionen wöchentliche Hörer sind eine beachtliche Größe. Nur lässt sich aus den aktuellen Zahlen keine neue Wachstumsgeschichte machen.
Jung, aber nicht nur jung
Am stärksten sind Podcasts bei den 14- bis 29-Jährigen. Hier hören 38 Prozent mindestens einmal pro Woche. Fast genauso hoch ist die Reichweite bei den 30- bis 49-Jährigen mit 35 Prozent. Das ist vor allem für Nachrichten-, Wissens-, Wirtschafts- und Markenpodcasts interessant. Ihre potenzielle Hörerschaft besteht nicht nur aus jungen Erwachsenen.
Die Altersgruppe zwischen 30 und 49 ist fast genauso podcast-affin. Ab 50 wird der Abstand größer. Bei den 50- bis 69-Jährigen liegt die Wochenreichweite bei 20 Prozent. Von den über 70-Jährigen hören gerade einmal sechs Prozent regelmäßig Podcasts.
In diesen Altersgruppen mangelt es nicht am Interesse an gesprochenen Inhalten. Radio wird dort intensiv genutzt. Podcasts müssen dagegen erst gefunden, ausgewählt und gestartet werden. Genau das dürfte für viele noch immer die größere Hürde sein.
Im Alltag schwächer
Zehn Prozent der Bevölkerung haben am Tag vor der Befragung Podcasts gehört. Im vergangenen Jahr waren es zwölf Prozent. Zwei Prozentpunkte sind noch kein Trend. Die Präsentation enthält keine Angaben dazu, ob der Unterschied statistisch signifikant ist. Bei 2.462 Befragten können solche Veränderungen auch durch die Zusammensetzung der Stichprobe entstehen.
Ganz isoliert steht der Rückgang allerdings nicht. Die tägliche Audionutzung insgesamt sinkt auf 151 Minuten (von 157). Bei den 14- bis 29-Jährigen geht sie sogar von 152 auf 134 Minuten zurück. Podcasts treffen damit auf einen Audiomarkt, in dem gerade keine zusätzliche Nutzungszeit zu verteilen ist.
Jetzt zählt die Bindung
In den vergangenen Jahren kamen regelmäßig neue Podcast-Hörer hinzu. 2026 passiert das nicht. Umso wichtiger wird es, gelegentliche Hörer häufiger zurückzuholen. Dabei helfen Formate, bei denen sofort klar ist, was man bekommt. Auch feste Veröffentlichungstage, wiederkehrende Rubriken und eine eindeutige Ansprache können aus gelegentlicher Nutzung eine Gewohnheit machen. Neue Folgen sollten außerdem nicht allein von Spotify, YouTube oder Apple abhängig sein. Newsletter, Crosspromotion und Empfehlungen in anderen Podcasts schaffen zusätzliche Kontakte zur eigenen Hörerschaft.
Und noch etwas lässt sich aus den Zahlen mitnehmen: Podcasts sind nicht nur ein junges Medium. Zwischen 30 und 49 Jahren liegt die Wochenreichweite lediglich drei Prozentpunkte unter dem Wert der unter 30-Jährigen. In der Vermarktung kommt diese Altersgruppe trotzdem häufig zu kurz.
Hördauer? Unscharf
Wie lange Podcasts tatsächlich gehört werden, beantwortet die Studie nicht. In der Auswertung werden Podcasts und Radiosendungen auf Abruf zusammengefasst. Gemeinsam kommen sie auf sieben Prozent der täglichen Audiozeit. Welcher Anteil davon auf Podcasts entfällt, bleibt offen. Auch der Vergleich mit früheren Jahren ist schwierig, weil die Bezeichnung der abgefragten Radioinhalte geändert wurde.
Für die Reichweite liefert die Studie eine gute Orientierung. Über die Entwicklung der reinen Podcast-Hördauer sagt sie (zu) wenig aus.
Die ARD/ZDF-Medienstudie 2026
Für die ARD/ZDF-Medienstudie 2026 befragte das Institut GIM 2.462 Menschen ab 14 Jahren. Die Erhebung fand zwischen Ende Januar und Mitte April statt – zu 70 Prozent telefonisch und zu 30 Prozent online.
Die Ergebnisse beruhen auf den Angaben der Befragten, nicht auf technisch gemessener Nutzung. Podcast-Hördauern werden zudem nur gemeinsam mit Radiosendungen auf Abruf ausgewiesen. Für die Reichweite einzelner Podcasts und Podcastfolgen sollte die MA-Podcast hinzugezogen werden.
Warum andere Studien auf andere Zahlen kommen
Der Online-Audio-Monitor 2026, der letzte Woche rauskam weist für Podcasts eine Reichweite von 29 Prozent aus, wenn mindestens eine Nutzung pro Monat zugrunde gelegt wird. 34 Prozent hören zumindest gelegentlich. Die ARD/ZDF-Medienstudie misst dagegen die strengere Wochenreichweite und kommt auf 25 Prozent.
Die Ergebnisse widersprechen sich also nicht. Sie verwenden lediglich unterschiedliche Zeiträume. Bemerkenswert ist vielmehr, dass sowohl die wöchentliche Nutzung bei ARD/ZDF als auch die monatliche Nutzung im OAM gegenüber dem Vorjahr kaum wächst.
Noch einmal anders arbeitet die ma Podcast. Sie befragt nicht die Bevölkerung, sondern zählt technisch erfasste valide Downloads der teilnehmenden Angebote. Bots, Kleinstabrufe und bestimmte Mehrfachabrufe werden dabei herausgefiltert. Diese Daten eignen sich für den Vergleich und die Vermarktung einzelner Podcasts. Wie viele Menschen in Deutschland Podcasts hören, lässt sich daraus nicht ablesen.
Kurz gesagt: ARD/ZDF zeigt die aktive wöchentliche Hörerschaft, der OAM bildet auch seltenere Nutzer ab und die ma Podcast misst die Nutzung einzelner Angebote.
Die drei Studien messen völlig unterschiedliche Dinge:







