„Nur 10 der Top-200-Podcasts haben Video.“ Diese Zahl macht gerade die Runde und klingt nach einem deutlichen Gegenargument zum Video-Trend im Podcasting. Doch bei genauerem Hinsehen erzählt sie eine ganz andere Geschichte.
Denn die Zahl bezieht sich nicht auf Podcasts mit Video allgemein, sondern ausschließlich auf Video-Angebote innerhalb von Apple Podcasts. Das ist ein entscheidender Unterschied: Apple hat Video erst vergleichsweise kurz stärker in den Fokus gerückt, entsprechend befindet sich die Verbreitung dort noch am Anfang.
Ein Blick auf andere Daten zeigt, wie weit Video im Podcasting tatsächlich bereits verbreitet ist. Wer die aktuellen Top-200 von Apple Podcasts, die Top-100 sowie die Edison Podcast Metrics Top 50 betrachtet und YouTube als Maßstab für vollständige Videoepisoden nimmt, kommt auf deutlich höhere Werte: 66 % der Apple Top 200, 77 % der Top 100 und sogar 84 % der Edison Top 50 veröffentlichen vollständige Episoden auch als Video.
Das Entscheidende dabei: Die unterschiedlichen Rankings messen unterschiedliche Dinge. Apple bewertet unter anderem Dynamik, neue Follower, Engagement und Completion Rates. Edison betrachtet dagegen, welche Podcasts Menschen tatsächlich konsumieren. Trotzdem kommen beide Perspektiven zu einem ähnlichen Ergebnis: Die meisten erfolgreichen Podcasts sind inzwischen auch im Video zu finden.
Ganz ohne Audio-only-Shows geht es allerdings nicht. Unter den Top 50 von Edison finden sich beispielsweise The Daily, Up First, Planet Money, Wait Wait… Don’t Tell Me!, This American Life und Freakonomics Radio. Gerade bei stark produzierten Formaten stellt sich die Frage, welchen zusätzlichen Wert Video überhaupt bieten kann.
Und genau darum sollte es bei der Video-Diskussion gehen. Nicht jeder Podcast braucht zwangsläufig eine Kamera. Video funktioniert nicht automatisch nur deshalb, weil es verfügbar ist. Entscheidend ist, ob es zum Format, zur Zielgruppe und zum Nutzungskontext passt.
Die größere Entwicklung lässt sich aber kaum noch wegdiskutieren: Podcasting wird zunehmend multimodal. Die Frage ist nicht mehr, ob Video Teil des Mediums wird, sondern wie Creator es sinnvoll einsetzen.






